Mittwoch, der 4.10.1999
Den Grand Canyon habe ich inzwischen verlassen. Ich übernachte in Flagstaff. Zur Zeit klebe ich gerade mit meine kaputten Füßen an den eigentlich sauberen Bodenfliesen des Badezimmers fest. Menschlicher Klebstoff aus offenen Blasen an den Füßen. Auch eine Körperflüssigkeit.
Sprüche
Where are you headed? - South Rim. - You must be an animal. (Eine Frau, die mir entgegen kam.)
See you in your bed. (Ein Mann, der zum Golden Angel Campground wollte (der mit den Strümpfen) und nicht glauben wollte, daß ich zum South Rim weiter wollte.)
You'd better carry an ape. (Ein Mann über meinen Rucksack)
Von Flagstaff geht es noch einmal zurück zum Grand Canyon wegen eines Permits für Cottonwood. Ich bekomme einen zweiten Platz auf der Warteliste für den nächsten Tag. Immerhin ein Andenken an South Rim Backcountry Office. Nutzen kann ich es nicht. Wegen meiner Füße. Ein Märchen aus meinem Grand Canyon Buch wird aufgeklärt: für keinen Trail benötigt man einen Permit. Nur für das Übernachten.
Weiter Richtung Mexican Hat, um "Goosenecks of the Sanyasinto River" zu finden. Bis in die Nacht gesucht. Nichts gefunden. Übernachtung am Mexican Hat.
Donnerstag, der 5.10.1999
Weiter geht die Suche. Diesmal aber mit vorher fragen. Also hinter Mexican Hat Richtung Gooseneck State Park. Es kommen auch die besagten Goosenecks und es geht auch steil den Berg hinauf. Von der besagten Abzweigung keine Spur. Schließlich entschließe ich mich, der direkt nach den Serpentinen nach links abzweigenden Straße zu folgen. Es geht lange geradeaus. Dann eine Rechtskurve und wieder lange geradeaus. Vom versprochenen Blick auf Monument Valley keine Spur. Es liegen andere Monuments dazwischen. Da sich die Sache so nicht weiter aufklären läßt, fahre ich zurück.
Auf dem Weg zum Highway, kurz "hinter" den Serpentinen, geht es nach links in das "Valley of the Gods", das Tal der Götter. Damit begann der Tag einen ungeplanten Verlauf zu nehmen. Nach "wenigen Fotos" kommt eine Bergkuppe auf der Straße. Ich denke mir nichts und fahre weiter mit ca. 30ml/h, knapp 50km/h. Bislang noch nicht zu schnell für diese Straße. Hinter der Bergkuppe geht es sofort steil abwärts, so daß der Wagen für zwei bis drei Sekunden nicht auf die Lenkung reagiert. Jedenfalls nicht auf die klassische, die mit dem Lenkrad.
Gelenkt wird er durch einen Felsbrocken, der etwa so breit ist wie der Durchmesser eines Reifens des Van und etwa halb so hoch. Ups. Wir sind drüber. Vorsichtshalber noch mal aussteigen und nachsehen. War ja ein bombastischer Schlag. Im Auto ist kaum etwas Bewegliches an seinem Platz geblieben.
Der Reifen ist hin. Ein großes Loch im Mantel deutet auf wenig Glück beim Aufpumpen hin. Also Reserverad raus. Bevor ich kapiert habe, daß das ohne Umräumen im Auto geht, habe ich hinten schon alles frei geräumt. Na ja.
Alles super beschrieben. Der Reifenwechsel ist absolut problemlos. Das Reserverad ist aber nur ein Notrad (Donut). Was soll's. Wird schon halten. Wenn man kein Reserverad mehr hat, bekommt man vor dieser Staubstraße richtig Respekt. Es gibt noch viel zu fotografieren. Irgendwann bin ich aber schließlich wieder auf dem Highway 160. Ab in Richtung Monument Valley.
Von der Schlichtheit der Einrichtung und "Gebäude" im Gegensatz zum Grand Canyon bin ich nahezu schockiert. Das ist wie DDR/BRD. Später merke ich, daß das normal ist zwischen Utah und Arizona. Ich mache mich auch noch auf den siebzehn Kilometer langen Weg. Aber es ist doch alles dem Valley of the Gods zu ähnlich. Ich habe keine Lust mehr und kehre um. Auch möchte ich mich der Reparatur des Reifens annehmen. Also Richtung nächstes Etappenziel: Page.
Die Dörfer am Weg haben keine Werkstatt. Nun ja, bis Page wird der Reifen schon halten. Ein Schild verkündet es: Page 10ml. Also fast da. Vor mir taucht ein See auf. Vermutlich ein Teil vom Lake Powell. Ich suche nach einer günstigen Position zum fotografieren. Knall, Schlag, ich befinde mich mit der halben Wagenbreite auf der Gegenfahrbahn, als ich den Wagen wieder abfangen kann. Mir kommt zwar ein Auto entgegen, das ist aber glücklicherweise weit genug weg.
Rechts ran, aussteigen, nachsehen. Wieder vorne rechts. Scheiße, nun stehst Du da in der Wallachei. Knapp zehn Kilometer vor Page. Immerhin, es hätte schlimmer kommen können. Daumen in die Luft. Es hat noch nie einer gehalten. Ich würde es sicherlich für mich auch nicht tun. Das siebte Auto stoppt. Ich bin so perplex, daß ich sofort hinterher laufe und mich mitnehmen lasse. Keine Papiere, nichts mitgenommen außer den Autoschlüsseln. Ich bin nicht einmal sicher, daß das Auto abgeschlossen ist.
Bei der Einfahrt nach Page sehe ich ein Schild "Tourist Information". Dort lasse ich mich absetzen. Kein Mensch drin. Die Tür steht offen. Ein Schild deutet darauf hin, daß das Telefon frei benutzt werden kann. Ich nehme an, daß es nur Ortsgespräche und die 1-800'er Nummern zuläßt.
Draußen sehe ich ein Schild "Powell Museum". Dort gehe ich hin. Die Dame hinter dem Tresen telefoniert für mich Gott und die Welt zusammen. Nach fünfzehn Minuten ist ein Abschleppwagen da. Bob erzählt mir von seinem Sohn, der in Würzburg gedient hat. Er redet so selbstverständlich über Einrichtungen auf dem Militärgelände, als müßte ich das alles auch kennen.
Er bringt den Van zu einem Reifendienst. Wir plaudern noch eine Weile, er erzählt mir noch, daß seiner Frau ein 9 Pfund schwerer Eisblock auf den Fuß gefallen ist. Zum Glück ist nichts gebrochen. Sie soll den Fuß zwei bis drei Wochen nicht belasten. "Wie soll sie das denn machen", fragt er sich. Wir verabschieden uns und ich mache mich ans Telefon, um Alamo anzurufen und mit denen die weitere Vorgehensweise abzustimmen. Es dauert eine Weile, bis sie mir glaubt, daß es mit einem erneuten Reifenwechsel nicht getan ist. Zwischendurch bin ich immer wieder in der Warteschleife, während sie sich anderweitig abstimmt.
Ihren ersten Vorschlag, mir ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung zu stellen, nimmt sie wieder zurück. Ich sei "Somewhere in the middle of nothing". Schließlich sagt sie, ich solle den Wagen vor Ort reparieren lassen und würde das Geld bei der Rückgabe erstattet bekommen. Das schien mir – der Wagen war ja schon auf dem Gelände der Werkstatt – auch das Sinnvollste zu sein. Ich wollte also nun den Auftrag vergeben. Der Reifenheini war aber schon damit beschäftigt. So blieb mir nur noch übrig, ihm zu sagen, daß ich soeben das o.k. für das bekommen habe, was er bereits tut. Dann vereinbare ich mit ihm, daß er auch noch die Spur einstellt. Die war offensichtlich verstellt, was dann auch den zweiten Reifen platzen ließ. Er war auf der kurzen Strecke bis auf den Gürtel 'runtergefahren. Daß die Spur verstellt war, ließ sich mit bloßem Auge erkennen.
Mein Motel ist genau gegenüber der Werkstatt.
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